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unkuhl - das Weblog über meine Sicht der Dinge. Also nicht cool - und auf Deutsch. Meine Themen sind Selberdenken und Selbstverantwortung, Selbstmanagement und Ideen zur Unternehmens- und Personalführung.

 



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Dialektische Leckerbissen

Als ich im Philosophie-Unterricht lernte, daß nach dialektischer Weltsicht jede Sache ihr eigenes Gegenstück selbst hervorbringt, konnte ich erst mal nichts damit anfangen. Der Lehrer nahm als Beispiel den Satz: „Die Demokratie geht an den Demokraten zugrunde“ und führte ihn aus.

Was wir heute Schlag auf Schlag erleben, läßt es einem wie Schuppen von den Augen fallen, wenn man es als dialektische Entwicklung betrachtet:

Das Internet sollte Informationsfreiheit für alle bringen und hat sich flugs zum Überwachungsinstrument erster Güte, zum Manipulationsmittel und zur Plattform für Betrüger und Kriminelle aller Art entwickelt.

Ausgerechnet der rückwärtsgewandte Trump mit seinen einfach strukturierten Anhängern kommunizieren über das (relativ) neue asoziale Medium Twitter.

Facebook nutzt die Technik, um Menschen über physische Grenzen hinweg zu verbinden, Kommunikation und gegenseitige Information zu erleichtern, und ist zur Plattform für alle minderbemittelten und übelgesinnten Mit- oder besser Gegenmenschen verkommen.

In der freien Marktwirtschaft der westlichen Länder werden die Steuerzahler auf höchst unfreie sozialistische Art und Weise von den Regierungen ausgebeutet und enteignet um – angeblich - ausgerechnet die parasitären Banken zu retten.


Leider ist die weitere dialektische Entwicklung, nämlich der Sprung des Systems auf die höhere Ebene nicht zu sehen. Die Entwicklung geht eher in Richtung Abgrund. Krieg, Terror, Gewaltherrschaft, fortschreitende Unfreiheit und Unterdrückung, vom Menschen verursachte Naturkatastrophen und Hungersnöte beherrschen das Weltgeschehen.

Da müßte es erfreulich stimmen, daß die sogenannten Silicon-Valley-Vordenker eine auf der ganzen Linie bessere Welt schaffen wollen: ohne Krebs, mit viel weniger Arbeit, grenzenloser Mobilität, ohne jede Unannehmlichkeit, am Ende ohne Tod. Schön …

Fällt eigentlich außer mir niemandem auf, daß solche Utopien in unregelmäßigen Abständen immer wieder aufkommen? Offensichtlich gibt es Fortschritte in Technik und Naturwissenschaft, auch sprunghafte - oder neudeutsch disruptive. Und selbstverständlich können diese das Leben einfacher, besser, angenehmer oder länger machen. Aber ich wage ohne viel Unsicherheit die Vorhersage, daß Krankheit, Krieg, Unfälle, Mord und Totschlag, sonstige Verbrechen, Naturkatastrophen, Hunger und andere Plagen – und vor allem der Tod - nicht zu besiegen sind.

Die „Silicon-Valley-Visionen“ lassen zweierlei außer acht: erstens sind die Motive der Hightech-Unternehmer alles andere als altruistisch, sondern von Geld- und Machtgier geprägt. Das schwächt den Glauben daran, daß ihre Vision einer besseren Welt ernsthaft dem Wohle der restlichen Menschheit dient. Zweitens wird die schlechte und böse Seite des Menschen schon dafür sorgen, daß die erreichten oder zukünftigen Errungenschaften auch als Waffen, Folterwerkzeuge oder Unterdrückungsinstrumente eingesetzt werden. Sie hat ja schon gleich damit angefangen.

Und da fällt mir die von meinem Großvater überlieferte Version des dialektischen Prinzips wieder ein, die lautete nämlich: der Weg in die Hölle ist mit Pastorenköpfen – wahlweise auch Gutmenschen oder einfach: mit guten Vorsätzen – gepflastert.
4.5.17 14:44


Digitalisierung und Industrie 4.0

Dazu muß jeder etwas schreiben, also auch ich. Selbstverständlich ist nicht zu leugnen, daß IT, Künstliche Intelligenz und Big Data unser Leben in allen Bereichen massiv beeinflussen und verändern.

Die Erkenntnisse, die aus dieser Beobachtung abgeleitet werden, sind u.a.:
viele Jobs werden verschwinden,
das Leben sieht demnächst anders aus, sowohl privat als auch beruflich
berufliche Mobilität wird in viel höherem Maß erforderlich werden
lebenslanges Lernen ist erforderlich.

Diese und andere Vorhersagen wurden aber auch schon vor 40 bis 50 Jahren gemacht. Zum Teil sind sie auch eingetroffen, zum Teil aber auch nicht: Zum Beispiel die Jobverluste durch Automatisierung wurden weit überkompensiert durch neue Jobs in anderen Bereichen.

Die pathetische Darbietung der drastischen Folgen der Digitalisierung ist Wichtigtuerei.

Natürlich müssen sich alle mit der Technik auseinandersetzen, sich darauf einstellen und damit umgehen. Ein Aspekt fehlt mir dabei: nämlich die Technik als Werkzeug anzusehen. Rückblende in die 80er / 90er Jahre: das Grundmotiv der Trainings- und Entwicklungsmaßnahmen für Fabrikmitarbeiter war, die Technik zu beherrschen, moderne Technik mit modernen Methoden zu managen. Die Technik sollte dem Menschen dienen.

Das vermitteln die Gurus der Digitalisierung nicht: denen zufolge müssen die armen analogen Trottel hinter der Digitalisierung her rennen, damit sie nicht abgehängt werden, verarmen und zugrunde gehen. Ein ziemlicher Blödsinn wie ich finde.

Wir müssen mal unterscheiden zwischen effizienzsteigernder Automatisierung und Vernetzung zum einen, Ausbeutung und Manipulation zum zweiten und zum dritten Spielerei und Afferei. Wenn ich diese Kategorien in die Diskussion bringe, finde ich immer sofort Zustimmung. Und über die Einordnung der vielen Digitalisierungen ist man sich schnell einig. Bloß öffentlich oder in großer Runde traut sich niemand gegenzuhalten.

Die Bewertung von Digitalisierungs-Aktivitäten muß sich also nach der Frage richten: was habe ich, mein Unternehmen oder die Menschheit davon? Oder dient es nur einem Geschäftemacher als Geldmaschine?
29.3.17 14:42


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